____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Balten
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Als Balten (abgeleitet von Ostsee oder Baltische See) werden StĂ€mme im Nordosten Europas bezeichnet, deren Sprachen u. a. neben denen der Kelten, Germanen, Slawen und Romanen einen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie bilden. Dieser Zweig gliedert sich in mehrere Einzelsprachen, darunter die der Letten, Litauer, Prussen (AltpreuĂen) und Kuren sowie ein ausgestorbenes Idiom im Narew-Gebiet der Sudauer-Jatvinger. Bis auf Lettisch und Litauisch sind fast alle baltischen Sprachen heute ausgestorben.
Im Norden des Baltikums leben die Esten, die keine baltische Sprache sprechen, sondern mit den Finnen und Ungarn zur Familie der finno-ugrischen Sprachgemeinschaften gerechnet werden. Somit zÀhlt Estland nur geografisch und politisch, nicht jedoch linguistisch zum Baltikum. Wird heute von den baltischen Staaten gesprochen, sind Estland, Lettland und Litauen gemeint.cite-ref-1[1]
Als Baltendeutsche wurde die deutschsprachige Bevölkerung in Estland und Lettland bezeichnet, die dort seit dem Hochmittelalter siedelte und bis ins 19. Jahrhundert die adlige und bĂŒrgerliche Oberschicht bildete.
Contents
âą Geschichte
âą Eisenzeit
âą Siedlungswesen
⹠ErnÀhrung
âą Handel
âą Glaubenswelt
âą Sprache
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Ursprung und Verbreitung
Wie bei vielen frĂŒhen Völkern liegt der Ursprung der Balten im Dunkeln. Zu ihrer Entstehung gibt es verschiedene Theorien. Die einflussreiche litauische Wissenschaftlerin Marija Gimbutas ging davon aus, dass die ersten Indogermanen das Baltikum um 3000 v. Chr. erreichten, wobei es sich nicht zwingend um die Vorfahren der Balten gehandelt haben muss, welche das Baltikum spĂ€testens um 2800 v. Chr. mit der Schnurkeramik-Kultur erreicht hĂ€tten. Die Balten seien daraufhin aus einer Mischung mit den ansĂ€ssigen AlteuropĂ€ern entstanden.
Jerzy Okulicz-Kozary bezeichnete als Urheimat der Balten das obere Dneprgebiet (ZentralweiĂrussland), da sich dort die Ă€ltesten baltischen GewĂ€ssernamen befĂ€nden. Von dort hĂ€tten sie sich nach und nach in andere Gebiete verbreitet.cite-ref-3[3] Ćucja Okulicz-Kozaryn greift diese These auf und geht wie Kazimierz Buga davon aus, dass die Balten erst spĂ€t die Ostsee erreicht hĂ€tten. Nach ihr hĂ€tten sich die westbaltischen StĂ€mme erst entlang der Memel Richtung Masuren verbreitet. Nördliche kĂŒstennahe Gebiete wie Samland und Natangen seien erst zu Beginn der europĂ€ischen Völkerwanderung baltisiert worden. SpĂ€testens mit Beginn der Eisenzeit im 5. Jahrhundert v. Chr. kann in OstpreuĂen und im Narew-Gebiet von einer baltischen Bevölkerung gesprochen werden; fĂŒr Litauen und Lettland spĂ€testens um Christi Geburt. Beide BevölkerungsschĂŒbe kamen möglicherweise aus dem hypothetischen urbaltischen Dnepr-Gebiet.
Bis zum Beginn der Völkerwanderung erstreckte sich das baltische Siedlungsgebiet ĂŒber ein riesiges Areal von der unteren Weichsel im Westen bis zum Oka bei Moskau im Osten und dem Pripet und dem Sejm im SĂŒden. WĂ€hrend der Völkerwanderung kam es allerdings zu einer Slawisierung weiterer ehemals baltischer RĂ€ume. Die genauen UmstĂ€nde dieser Landnahme sind nicht bekannt. Die archĂ€ologischen Befunde sprechen jedoch fĂŒr einen friedlichen Vorgang. Es gibt weder Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen, noch wurden bisher auffallend hĂ€ufig vergrabene WertgegenstĂ€nde gefunden, wie sie in unruhigen Zeiten auftauchen. Die Slawen scheinen sich an neuen Siedlungsorten innerhalb der baltischen Gebiete angesiedelt zu haben, wĂ€hrend BestattungsplĂ€tze von beiden Gruppen gleichwohl genutzt wurden. Durch neue Techniken und die höhere Bevölkerungszahl der Slawen gingen die Balten nach einer Zeit des friedlichen Zusammenlebens in ihnen auf. Inwiefern es dennoch Konflikte oder Ressentiments zwischen den beiden Völkerschaften gab, kann nicht gesagt werden. Durch Krieg wurden spĂ€ter im 13. Jahrhundert indes die westbaltischen Völker (PruĂen, Sudauer, Galinder) vom Deutschen Orden durch KreuzzĂŒge fast ausgerottet und im Laufe des Mittelalters schlieĂlich assimiliert, wodurch die letzten Vertreter der Balten, die heutigen Letten und Litauer, ĂŒbrig bleiben.cite-ref-4[4]
Innere Unterteilung
Die Balten werden traditionell in die Gruppen der Westbalten und Ostbalten unterteilt. Deren kulturelle und sprachliche Unterschiede im Laufe der Geschichte wuchsen. In den 1980ern wurde von Walentin W. Sedow eine Dreiteilung der Balten vorgeschlagen, welche sich in die Westbalten, Mittelbalten (lettische und litauische StĂ€mme) und Ostbalten (die unbekannten StĂ€mme des Dnepr- und Okagebiets) teilte. Dieser Vorschlag konnte sich letztendlich, wohl auch wegen fehlender linguistischer Untermauerung, bisher nicht durchsetzen. Im Allgemeinen weiĂ man ĂŒber die untergegangenen ostbaltischen StĂ€mme sehr wenig, da schriftliche Quellen fehlen und man sich auf allein archĂ€ologische Befunde stĂŒtzen kann. Insgesamt lĂ€sst sich ein gewisser Traditionalismus in der Entwicklung der baltischen Kulturen und eine BestĂ€ndigkeit des Siedlungswesens feststellen. Gleichzeitig gab es eine betrĂ€chtliche kulturelle Gliederung und Differenzierung in kleine RĂ€ume.
Geschichte
Eisenzeit
Das Eisen erreicht den westbaltischen Raum in der Periode Hallstatt D (etwa 550 bis 440 v. Chr.). Zu dieser Zeit beginnt auch die Teilung zwischen West- und Ostbalten, da der ostbaltische Raum an diesen Entwicklungen erst spĂ€ter, etwa um Christi Geburt, teilnahm. Mit der EinfĂŒhrung des Eisens und der vermuteten Einwanderung baltischer Völker entsteht in OstpreuĂen, im Narewgebiet und an der litauischen KĂŒste die westbaltische HĂŒgelgrĂ€berkultur. Trotz der EiseneinfĂŒhrung tauchen selbstgefertigte EisengegenstĂ€nde erst im 2. Jahrhundert n. Chr. in gröĂeren Mengen auf. Von der nahen Lausitzer Kultur unterscheidet sich die westbaltische HĂŒgelgrĂ€berkultur Kultur durch rundbögige TongefĂ€Ăe und kleine Wehrsiedlungen anstelle gröĂerer âBurgenâ. Durch das Eisen setzen viele VerĂ€nderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ein. Aus Grabbeigaben ist abzulesen, dass die FĂŒrsten an Macht und Einfluss gewinnen und die sozialen Unterschiede wachsen.cite-ref-5[5] Dem gegenĂŒber steht die ostbaltische Burgbergkultur, welche zahlreiche verwandte Kulturen bis zum Gebiet des Oka bei Moskau vereint. Von dieser Kultur ist bisher nur ein Urnenfeld gefunden worden. Es kann daher nur wenig ĂŒber ihre BestattungsbrĂ€uche und ihre materielle Kultur gesagt werden.cite-ref-6[6]
Römische Eisenzeit (Zeitenwende bis 400)
Die Vertreter der westbaltischen HĂŒgelgrĂ€berkultur lebten an der sehr wichtigen BernsteinstraĂe, ĂŒber die der an der Ostsee gewonnene Bernstein in weite Teile Europas und des Mittelmeerraums befördert wurde. Durch den Bernsteinhandel standen sie â zumindest indirekt â mit vielen Völkern in Kontakt, unter anderem mit dem römischen Reich. Die baltischen StĂ€mme boten wohl neben Bernstein auch Pelze, Honig und Wachs an und erhielten dafĂŒr Bronze und Silber, oft in Form von MĂŒnzen. Durch den Handel kommt es im westbaltischen Gebiet und im Westteil Litauens und Lettlands zu neuen Impulsen und einer BlĂŒtezeit. Eisen verbreitet sich immer weiter und es entsteht eine groĂe Bronze- und Goldschmuckherstellung von seltener QualitĂ€t.cite-ref-7[7] Diese VerĂ€nderungen fĂŒhrten dazu, dass sich die Siedlungsstruktur zugunsten offener Siedlungen verschob, welche die Wehrsiedlungen gröĂtenteils ablösten.cite-ref-8[8] In diese Zeit fĂ€llt auch die erste schriftliche ErwĂ€hnung der Balten bei Tacitus unter der Bezeichnung aestii (Ăstier), der spĂ€ter auf die finno-ugrischen Esten ĂŒbergeht. Die spĂ€ter ĂŒberlieferten baltischen StĂ€mme des Mittelalters bestehen vermutlich schon um diese Zeit, da der Geograph Claudius PtolemĂ€us bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. auf seinem Atlas die StĂ€mme der Galindai und Soudinoi auf dem Gebiet eintrug,cite-ref-9[9] welches spĂ€ter von den Galindern und Sudauern bewohnt wurdecite-ref-10[10]. Ăstlich der genannten Gebiete fehlen diese Impulse oder werden nur vereinzelt aufgenommen. Ausnahmen bilden hier das Land um die Memel und die litauischen KĂŒstengebiete, die ebenfalls am Handel beteiligt sind. Im Osten verharrt die materielle Kultur auf der Stufe der Strichkeramikkultur. Aus dieser Zeit sind auch mehr Funde aus HĂŒgelgrĂ€bern bekannt, weswegen man mehr ĂŒber die damaligen LebensumstĂ€nde sagen kann. Das litauische Material unterscheidet sich wesentlich vom pruĂischen und jatwingischen und weist deutlich mehr örtliche, vom europĂ€ischen Stil abweichende, Eigenheiten auf.cite-ref-11[11]
Völkerwanderungszeit und ostbaltische mittlere Eisenzeit (400â800)
Die westbaltische Kultur erlitt wĂ€hrend der Völkerwanderungszeit keine gröĂeren Störungen. Stattdessen breiten sich die Westbalten auf der Elbinger HochflĂ€che und im Gebiet der unteren Weichsel aus. Die Ausbreitung auf der Hochebene scheint friedlich verlaufen zu sein, wĂ€hrend an der unteren Weichsel zahlreiche vergrabene Edelmetallfunde durchaus fĂŒr ein gewaltsames Eindringen der PruĂen sprechen. SpĂ€ter breiten sich auch die Kuren nach Norden in bisher livisches Gebiet aus.
Im SĂŒden beginnt nun die slawische Expansion, wodurch weite Teile des ostbaltischen Gebietes friedlich slawisiert werden. Sprachliche und kulturelle NachklĂ€nge der Balten sind trotzdem bei den Ostslawen festzustellen. Der Stamm der Kriwitschen ĂŒbernahm beispielshalber das baltische HĂŒgelgrab als Bestattungsritus. Namentlich tauchen von diesen verschwundenen StĂ€mmen nur die Ost-Galinder um Smolensk in einer altrussischen Chronik des 12. Jahrhunderts auf.cite-ref-12[12] Aufgrund dieses slawischen Druckes rĂŒcken die lettischen StĂ€mme weiter nach Westen und Norden vor. Diese Grenzen haben, abgesehen von der kurisch-livischen Grenze, bis ins 13. Jahrhundert und vielfach bis heute Bestand. AuĂerdem bilden sich spĂ€testens jetzt auch auf ostbaltischem Gebiete die Völker, die wir aus den Quellen der Kreuzritter kennen. Die Gebietsgemeinschaften festigen sich und im dritten Viertel des ersten Jahrtausends entsteht das Territorialsystem, dessen Grundlage die Burgkreise bilden, in denen die Herrscher residieren. Alte BurgwĂ€lle werden ausgebaut und viele neue Burgen errichtet.cite-ref-13[13] Unter ihnen stehen nun die Freien und Unfreien. Gleichzeitig entstehen die ersten frĂŒhen stadtĂ€hnlichen Formen, aus denen in EinzelfĂ€llen schlieĂlich StĂ€dte werden.cite-ref-14[14]
SpĂ€te ostbaltische Eisenzeit (800â1200)
Im 9. und 10. Jahrhundert war die Entwicklung so weit, dass die PruĂen möglicherweise ein Staatswesen errichtet hĂ€tten. In diese Zeit fĂ€llt jedoch die Umstrukturierung der Handelswege. Der Dnepr wird erschlossen und der wichtigste Handelsweg umgeht nun die baltischen Gebiete. AuĂerdem Ă€ndern sich mit der GrĂŒndung des polnischen und des altrussischen Staates die politischen Gegebenheiten. Die pruĂischen HandelsstĂ€dte Truso und Wiskiauten erleben einen Niedergang. In diese Zeit fĂ€llt auch eine beschleunigte Entwicklung im ostbaltischen Bereich, der so das Niveau der westbaltischen Region erreicht. Besonders die Aukschtaiten ĂŒbernehmen nun eine FĂŒhrungsrolle. Zu Beginn des 2. Jahrtausends beginnen sie auch eigene MĂŒnzen zu prĂ€gen, die sich an altrussische Modelle anlehnen. Zwischen 1201 und 1236 fielen litauische StĂ€mme 40-mal in benachbarte LĂ€nder ein, wobei sie viel Beute machten.
Gesellschaftsgliederung
Die Gesellschaft der Balten war einigen VerĂ€nderungen ausgesetzt. Es wechselten Perioden mit klar gegliederter Hierarchie und egalitĂ€re Abschnitte. In der Eisenzeit herrschten die Burgherren ĂŒber die um sie liegenden Dörfer. Die Burggebiete konnten sich wiederum zu LĂ€ndern zusammenschlieĂen, die eine Herrschaft bildeten. Anfang des 13. Jahrhunderts fĂŒhrte der Burgberg Lamekins viele Burggebiete in Mittelkurland.cite-ref-15[15] Der Herrschaftsanspruch des FĂŒrsten konnte erblich sein oder an seine Person gebunden sein.
Eine regional sehr unterschiedliche Rolle spielten die Ăltesten, die besonders in Kriegszeiten wichtige Entscheidungen trafen. Bei politischen und wirtschaftlichen Fragen mussten aber auch sie die Interessen der oberen Bevölkerungsschichten berĂŒcksichtigen. Besonders wichtige Entscheidungen traf eine Versammlung dieser FĂŒhrungspersönlichkeiten eines Gebietes an der auch alle freien Bewohner teilnehmen durften. Die Ăltesten konnten den freien Bewohnern auch befehlen am Festungsbau mitzuhelfen oder an PlĂŒnderungen teilzunehmen.
Siedlungswesen
Die baltischen Völker hatten unterschiedliche Siedlungsarten. FrĂŒhe Wehrsiedlungen des westbaltischen Bereiches teilen sich in hochgelegene befestigte Orte und Pfahlbauten am oder im Wasser. Offene Siedlungen kamen damals im westbaltischen Gebiete sehr selten vor, wĂ€hrend sie im ostbaltischen Gebiet bis in die mittlere Eisenzeit die Regel waren. Die Wehrsiedlungen waren durch Palisaden geschĂŒtzt, was auch auf Wassersiedlungen zutraf, deren Palisaden in den Seegrund gerammt wurden. SpĂ€ter gruppierten sich im gesamten baltischen Gebiet um die Burgberge auch offene Siedlungen, die man in natĂŒrlicher Verteidigungslage in der NĂ€he von Seen, FlĂŒssen oder Mooren anlegte. Die stark umwallten Burgberge entwickeln sich zu Wirtschafts- und Verwaltungszentren der umliegenden Dörfer. Mit der zunehmenden Bedeutung des höheren Schichten nehmen auch die Burgberge an Bedeutung und MĂ€chtigkeit zu. Ein Beispiel bildet die Burg des aukschtaitischen Herren in NemenÄinÄ, die im 11. Jahrhundert an der zugĂ€nglichsten Stelle einen Wall von 24 m Breite und 10 m Höhe besaĂ. Der Innenhof war bereits von Steinmauern umgeben.
Die einfachen HĂ€user der Balten waren rechteckige Blockbauten oder PfostenhĂ€user und hatten AusmaĂe von bis zu 6 Ă 8 m. Kreisförmige Feuerstellen aus Stein befanden sich in ihnen.cite-ref-16[16]
ErnÀhrung
Die Balten lebten hauptsĂ€chlich von Ackerbau und Viehzucht, wobei Viehzucht ĂŒberwog. Rinder und KĂŒhe waren die wichtigsten Nutztiere, gefolgt von Schaf, Ziege, Pferd und als letztem dem Schwein. Daneben bauten die baltischen StĂ€mme Getreide und GemĂŒse an, deren ErtrĂ€ge in GrubenhĂ€usern mit einer Tiefe 1 bis 2 m gelagert wurden. Das hohe Niveau des Ackerbaus erlaubte die Vorratsspeicherung in gröĂerem Umfang. Von den Getreidepflanzen scheinen Hirse und Gerste am wichtigsten gewesen zu sein, gefolgt von Weizen, Hafer und Emmer. SpĂ€ter kam auch Roggen hinzu. Des Weiteren fand man oft Ăberbleibsel von Bohnen, Erbsen und HimbeerfrĂŒchten. AuĂerdem fand man gelegentlich landwirtschaftliche Werkzeuge, wie einen eisernen Spatenpflug, was uns Auskunft ĂŒber die bĂ€uerliche Arbeit gibt.cite-ref-17[17] So verwendeten Kuren und Semgallen Sensen, wohingegen die Selen und Lettgallen Sicheln benutzten, was auf Unterschiede in der Landwirtschaft hindeuten kann, ĂŒber deren AusmaĂ wir noch nichts sagen können.cite-ref-18[18] Jagd und Fischfang spielten auch eine Rolle. Generell kann gesagt werden, dass die Bedeutung der Jagd von Westen nach Osten zunahm und im Laufe der Zeit insgesamt schrumpfte. So spielte in der bronzezeitlichen ostbaltischen Burgbergkultur Ackerbau nur eine untergeordnete Rolle. Viehzucht und Jagen waren wichtiger und pflanzliche Nahrung wurde meist durch Sammeln beschafft. Im eisenzeitlichen ostbaltischen Burgberg Ogres Ķenteskalns betrug der Anteil der Wildtierknochen unter den KnochenabfĂ€llen dann nur noch 14,1 %, in der Siedlung 9,6 %.cite-ref-19[19] Gejagt wurden unter anderem Auerochsen, Rehe, Elche und Biber. Wirtschaftliche Bedeutung hatten vor allem groĂe Fische wie Stör, Lachs, Wels und Hecht. Bienenzucht war den Balten auch bekannt und gewann stets an Bedeutung.
Handel
Durch den weitreichenden Handel zeigten die baltischen Völker einen fĂŒr Europa ungewöhnlichen Wohlstand.cite-ref-20[20] Viele HandelsgĂŒter aus allen Teilen Europas konnten in den GrĂ€bern gefunden werden, da durch baltische Gebiete der Handelsweg zwischen Schwarzem Meer und Ostsee verlief. Im Mittelalter bildeten sich dort multiethnische HandelsstĂ€dte wie Truso und Wiskiauten bei den Prussen und GrobiĆa bei den Kuren. Der Handel wurde mit seetĂŒchtigen Schiffen durchgefĂŒhrt. Besonders die Kuren gingen jedoch ebenso auf RaubzĂŒge und waren im ganzen Ostseegebiet gefĂŒrchtet. Laut Heinrich von Lettland nahmen um 1200 an einem solchen Raubzug etwa 300 Schiffe teil. SpĂ€tere UmwĂ€lzungen der Handelswege beendeten die BlĂŒtezeit Tursos etc. Daraufhin bauten die Aukschtaiten ihre Bedeutung im Handel aus, da sie leichteren Zugang zu den neuen Handelszentren wie Nowgorod oder Grodno hatten.
Glaubenswelt
â
Hauptartikel
:
Baltische Mythologie
BegrĂ€bnisriten und, damit verbunden wohl auch die Glaubenswelt, waren bei den Balten stets von Ănderungen beeinflusst. BezĂŒglich der Bestattungsriten lassen sich kleine Areale feststellen, die einen mitunter diffusen Flickenteppich verschiedener Riten bilden. Im GroĂen und Ganzen lassen sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen- und MĂ€nnergrĂ€bern feststellen. Frauen bekamen Schmuck mit ins Grab, wĂ€hrend MĂ€nnergrĂ€ber Waffen enthalten und nicht selten durch Pferdebestattungen begleitet wurden. Zu Beginn des Mittelalters wĂ€chst die soziale Ungleichheit, wodurch es mehr GrĂ€ber mit spĂ€rlichen Grabbeigaben gibt.
Sprache
â
Hauptartikel
:
Baltische Sprachen
Die baltischen Sprachen sind bekannt fĂŒr ihre hohe KonservativitĂ€t. Sie haben also zahlreiche AltertĂŒmlichkeiten der indo-europĂ€ischen Ursprache erhalten. Bevor sich die baltischen Sprachen aufteilten, bestand eine urbaltische Sprache, die aus einigen ZĂŒgen abgeleitet werden kann, welche nur die baltischen Sprachen besitzen:
Die Personalformen der Verben unterscheiden in der dritten Person im Gegensatz zu den Personalpronomen nicht zwischen Singular, Dual und Plural. So heiĂt es im Litauischen: jis yra (er ist), juodu yra (sie beide sind), jie yra (sie sind). Es gibt zahlreiche ĂŒbereinstimmende Wortbildungstypen in den baltischen Sprachen. Speziell baltische Wortschöpfungen sind z. B. âEicheâ (lit. aĆŸuolas, lett. ozols, altpr. ansonis), âHirschâ (lit. und lett. briedis, altpr. braydis), âandereâ â (lit. kitas, lett. cits, altpr. kits) oder âdie Seeâ (lit. und lett. jĆ«ra, altpr. jĆ«ris).
Siehe auch
Literatur
âą Ernst Fraenkel: Die baltischen Sprachen. Verlag Carl Winter, Heidelberg 1950.
âą Rainer Eckert, Elvira-Julia BukeviÄiĆ«tÄ, Friedhelm Hinze: Die baltischen Sprachen. Eine EinfĂŒhrung. Verlag Langenscheidt, Verlag EnzyklopĂ€die, Leipzig/Berlin/MĂŒnchen 1994, ISBN 3-324-00605-8.
âą Wilhelm Gaerte: Urgeschichte OstpreuĂens. GrĂ€fe und Unzer, Königsberg 1929.
âą Marija Gimbutas: Die Balten.Geschichte eines Volkes im Ostseeraum. Herbig, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-7766-1266-5. (1963 englisch).
⹠Jan Jaskanis u. a.: Die Balten. Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, DNB 880652489.
âą Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008.
Weblinks
âą Rainer Eckert: AltpreuĂisch. In: MiloĆĄ Okuka, Gerald Krenn (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europĂ€ischen Ostens (= Wieser-EnzyklopĂ€die des europĂ€ischen Ostens. Band 10). Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 589 (aau.at [PDF; 241 kB]).
âą âBaltic Tribes - die letzten Heiden Europas.â â preisgekrönte âAbenteuerdokuâ aus Lettland 2018 (Filmbeschreibung). Im Zuge der Handlung bereist ein fiktiver dĂ€nischer Kaufmann und SpĂ€her â das gab es nach Angaben des mittelalterlichen Liber Census DaniĂŠ wirklich â die LĂ€nder aller 9 noch heidnischer baltischer StammesverbĂ€nde (auĂer Schalauer, aber dafĂŒr Litauer mit Aukschtaiten und Schemaiten/ âSamogitenâ getrennt) und der finnischen Liven und âĂselianerâ (Esten von der Insel Saaremaa/Ăsel) und den entstehenden Staat des SchwertbrĂŒderordens etwa ab 1200 bis zur Schlacht von Schaulen (1236). Die Angaben ĂŒber Besiedlung, soziale Sitten, Religion, Handel, Kleidung, Hausbau, Bevölkerungszahl, StĂ€dte usw. und die eingefĂŒgten animierten Kurzbeschreibungen stehen auf aktuellem geschichtswissenschaftlichen und archĂ€ologischen Forschungsstand und stammen vom Institutsleiter fĂŒr ArchĂ€ologie an der UniversitĂ€t Lettlands, Juris UrtÄns, dem Balten-ArchĂ€ologen Tomasz Nowakiewicz (UniversitĂ€t Warschau) und dem lettischen ArchĂ€ologen und Burg-Kurator Gundars KalniĆĆĄ.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Rainer Eckert, Elvira-Julia BukeviÄiute, Friedhelm Hinze: Die baltischen Sprachen, eine EinfĂŒhrung. 5. Auflage. Langenscheidt, 1998, S. 15.
cite-note-21. In leicht vergröĂerter und verĂ€nderter Variante hier auf der Website von Linguarium zu finden.
cite-note-33. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 12â13.
cite-note-44. â Berthold Seewald: Krieg im Mittelalter: Diese Waffen machten den Deutschen Orden zur GroĂmacht. In: Die Welt. 21. Januar 2018 (welt.de [abgerufen am 5. Oktober 2022]).
cite-note-55. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 34.
cite-note-66. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 27.
cite-note-77. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 36.
cite-note-88. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 34.
cite-note-99. â PtolemĂ€us, Geographike Hyphegesis 3,5,9.
cite-note-1010. â Tarasov I. The balts in the Migration Period. P. I. Galindians, S. 99â109.
cite-note-1111. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 39.
cite-note-1212. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 44.
cite-note-1313. â Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008, S. 31.
cite-note-1414. â Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008, S. 32.
cite-note-1515. â Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008, S. 39.
cite-note-1616. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 25.
cite-note-1717. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 50.
cite-note-1818. â Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008, S. 35.
cite-note-1919. â Brandenburgisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege und ArchĂ€ologisches Landesmuseum: Lettlands viele Völker. ArchĂ€ologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Druckhaus, Köthen 2008, S. 35.
cite-note-2020. â Jan Jaskanis u. a.: Die Balten, Die nördlichen Nachbarn der Slawen. Karl Schillinger, Freiburg 1987, S. 47.